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Newsletter April 2019

Newsletter April 2019

Unsere Webseite ist mit frischem Design und neuen Bildern aktualisiert. Hier sind die Links zur Homepage und zur Galerie 📽

Newsletter - Inhalt

  • In diesem Newsletter beleuchten wir die Rolle der Eltern, im Besonderen der Mutter in der indischen Gesellschaft, eingebettet in eine mythologische Geschichte, die sich um Ganesha, einer sehr berühmten und in ganz Indien beliebten Figur der Götterwelt, rankt.
  • Als zweiten Schwerpunkt  behandeln wir das Thema der Obdachlosen, die der Aum Pranava Ashram auf verschiedene Art und Weise unterstützt. 
  • Im letzten Teil des Newsletters berichten wir in einer Rückschau über die Ereignisse, die sich seit Weihnachten 2018, mit den Schwerpunkten auf die Weihnachtsfeier und die Reise nach Puttaparthi, das dreitägige Pongal Fest und die Feierlichkeiten zum Tag der Republik, bis heute zugetragen haben. Gleichzeitig werfen wir einen Blick auf die uns erwartenden Aktivitäten der kommenden Sommermonate.

Die Rolle der Eltern

In Indien ist es ein ganz alltäglicher Anblick. Schüler, die in aller Eile das Haus verlassen und dabei trotzdem nicht vergessen, mit der geschulterten, nach vorne fallenden Schultasche noch schnell die Füße der Eltern zu berühren bevor sie zum Schulbus laufen. Selbst erwachsene Menschen beugen sich als Zeichen der großen Ehrerbietung vor den Eltern.

Die folgenden aus der vedischen Schatztruhe entnommenen Zeilen drücken nicht nur diese respektbezeugende Haltung gegenüber Mutter & Vater, sondern auch gegenüber anderen Pfeilern des sozialen Alltagsverhaltens in Indien, nämlich den Gästen und Lehrern, klar und deutlich aus.

 

Matru Devoh Bhava (Mutter ist Gott)

Pitru Devoh Bhava (Vater ist Gott)

Acharya Devoh Bhava (Der Lehrer ist Gott)

Athithi Devoh Bhava (Der Gast ist Gott)

 

Als Grundfesten des sozialen Gefüges spiegeln sich diese Worte schon seit vielen Jahrhunderten im Verhalten der indischen Bevölkerung gegenüber den Eltern, Gästen und Lehrern wider. Die sprichwörtliche Gastfreundschaft in ganz Indien ist weithin bekannt und der Respekt der Schüler den Lehrern und Lehrerinnen, den Gurus, gegenüber wurde bereits in den großen Epen der indischen Literatur, dem Mahabharatha und dem Ramayana, sehr lebendig vor Augen geführt. Das Rollenspiel zwischen Eltern-Kind, Gastgeber-Gast und Lehrer-Schüler in obigen Zeilen ist hiermit eindeutig festgelegt und bei tieferem Nachdenken wird es klar, dass eine sich nach diesen spirituellen (nicht religiösen) Richtlinien verhaltende Gesellschaft oder Gemeinschaft, unabhängig von geographischen Koordinaten, nach dem edelsten, einem göttlichen, Verhalten strebt. Es handelt sich in den obig zitierten Grundsätzen also nicht um Ausdrucksformen eines menschlichen Größenwahns mit dem Bestreben, sich wichtig zu fühlen und als Gott anbeten zu lassen. Im Gegenteil, diese Zeilen beziehen sich auf die verantwortungsvollste, bescheidenste und schwierigste Aufgabe im Leben eines Individuums, als Beispiel zu dienen, einen anderen Menschen zu leiten, zu beschützen und mit Liebe zu segnen, so wie er/sie ist. Bedingungslose Liebe (göttliche Liebe) ist der Leitfaden in diesem Rollenspiel.

Die Mutter steht an erster Stelle in dieser Hierarchie, da sie den größten Einfluss auf die Psyche des Kindes besitzt. Sie wird theoretisch als der erste Guru des Menschen erkannt. 

Eine kurze, prominente Geschichte aus der puranischen Schatztruhe, die sich in diesem Fall um Ganesha rankt, illustriert diese zentrale, von Religion und gesellschaftlicher Zugehörigkeit unabhängige Haltung.

Meine Eltern bedeuten die Welt für mich

Narada ist als Weltenreisender bekannt. Es ist ihm möglich, sich zwischen den Welten der Götter und der Normal-Sterblichen zu bewegen, so als gäbe es keine Grenzen, weder grob- noch feinstofflicher Natur für ihn. Meistens beschäftigt ihn eine Frage oder ein Zweifel, deren Lösung zu finden er weise Meister und Götter aufsucht. Nicht selten stiftet er dabei Unruhe und Verwirrung, doch zum Schluss lernen dabei alle Involvierten ihre Lektionen und die vermeintlich gordischen Knoten dürfen sich in Wohlgefallen auflösen. 

 

In unserer vorliegenden Geschichte handelt es sich um kein geringeres Objekt als die unteilbare Frucht der Weisheit, die im vorliegenden Fall wie eine äußerst schmackhafte Mango aussieht. Die Geschichte verleiht uns einen kleinen Einblick auf Ganeshas kreatives, zutiefst intelligentes Wesen. Nicht umsonst nennt man ihn den Überwinder aller Hürden! Wir alle, die wir in Indien leben, falten unsere Hände bevor wir eine Reise antreten oder ein neues Unternehmen starten und erbitten Ganeshas Segen um Sicherheit auf der Reise und Erfolg für das Unternehmen, um was auch immer es sich dabei handelt. Ich denke, es geht dabei nicht so sehr darum, die Verantwortung für die Handlung an eine höhere Instanz abzugeben, sondern ganz einfach um eine bescheidene Haltung, die eine subtile, lenkende Kraft im universellen Geschehen anerkennt und mit dieser in Harmonie sein möchte.

Unsere Geschichte beginnt mit dem Besuch Naradas bei Lord Shiva und Seiner Gemahlin Parvathi - mit der besagten Frucht in Händen. Im Haushalt Shiva-Shakthi gibt es zwei Söhne - Ganesha, der ältere von beiden, und Subramaniam, der Gott der Guten Taten und General der Kampfeskräfte und des Sieges und in Tamil Nadu als Lord Muruga verehrt. Die Frucht der Weisheit solle nun einen würdigen Empfänger finden, doch beim Anblick dieser überaus weisen und mächtigen Familienmitglieder wird Narada klar, dass er die sprichwörtlichen Eulen nach Athen gebracht hatte. Im Falle der Teilbarkeit dieser delikaten Frucht hätte das Problem sehr einfach und schnell gelöst werden können! 

Weisheit hin, Macht her, ein Bruderzwist war fast nicht mehr zu vermeiden. Da hatten sie eine Idee! Sie würden die begehrte Frucht jenem zuteil werden lassen, der drei Mal um die ganze Welt reisen und als erster zum Ausgangspunkt zurückkehren konnte. Sogleich bestieg der tatenkräftige Lord Muruga in aller Eile sein Vehikel, den Pfau, und machte sich siegessicher auf den Weg. Die Vorzeichen schienen Muruga zu begünstigen, denn sowohl seine Gestalt als auch die seines Reisegefährten waren flink und wendig. Beim Anblick seines Vehikels, der Maus namens Mushika, die zwar durch den Abglanz ihres Meisters ebenso berühmt und durchaus auch flink sein konnte, aber im Vergleich zu ihrem Meister sehr klein war, wurde Ganesha die Aussichtslosigkeit seiner Situation bewusst. Die Maus lächelte verlegen ihrem beleibten und elefantenköpfigen Meister in all ihrer Unschuld zu. So viele Hürden! Eine betretene Stille breitete sich um Ganesha aus, alle starrten verlegen auf den Boden und die Luft war so dick, fast hätte man sie zerschneiden können! 

Da begann Ganesha nachzudenken, tief nachzudenken. 

Nach Momenten der Ungewissheit erhellte sich Ganeshas Gesicht! Er blickte liebevoll auf seine Eltern, die seinen Blick voller Erwartung erwiderten. Strahlende Zuversicht entwich seinem Gesicht, denn er hatte eine Lösung gefunden, die noch viele Millionen von Menschen auf dieser Erde über einen Zeitraum von Jahrhunderten hinweg inspirieren sollte.

Wortlos verneigte sich Ganesha tief vor seinen Eltern und begann die beiden mit gefalteten Händen zu umrunden. Nach drei Runden berührte er die Füße seiner Eltern und blieb vor ihnen stehen. Shiva und Parvathi, sowie alle Umstehenden, starrten ihn fragend an. Lord Shiva, der Vater des gesamten Universums, räusperte sich schließlich und fragte, "Was hat dies alles zu bedeuten, mein lieber Sohn?"

Auf diese Frage kam eine kurze und klare Antwort, die sofort große Bewunderung und zustimmende Laute hervorrief. "Meine Eltern bedeuten die ganze Welt für mich. Ohne sie wäre ich nicht hier und es würde keine Welt für mich existieren. In Anerkennung dieser Tatsache habe ich meine Eltern - und somit die ganze Welt - drei Mal umrundet. Nun warte ich hier im Vertrauen darauf, dass die Frucht der Weisheit mir zuteil wird."

Mit großer Freude und zutiefst beeindruckt ob des Einfallsreichtums seines Sohnes überreichte Lord Shiva seinem außergewöhnlich intelligenten Sohn Ganesha die begehrteste aller Früchte. Sogleich machte er sich daran, die Frucht zu verzehren. Naradas Lippen waren von einem zarten Lächeln umspielt, denn auch er war von der kreativen Lösung beeindruckt.

 

Und so trug es sich zu, dass Menschen aller Klassen, Hautfarben und Herkunft ihre Eltern als die ihnen zugängliche und vertraute Welt zu verehren begannen. 

Selbst heute noch, wenn Mutter und Vater vor einem Kind streiten, ist es so, als hörte man Teile ihrer Welt in Brüche gehen. 

 

Nun werden ein paar aufmerksame Leser fragen, was denn mit Muruga geschah? Dies ist eine lange Geschichte, die ich hier in aller Kürze nacherzähle.

Noch bevor Ganesha die Frucht aufgegessen hatte, kehrte Subramaniam in großer Vorfreude auf seinen Sieg und die Erlangung der höchsten Weisheit zurück. Umso überraschter war er, als er von weitem schon die Mango in den Händen seines Bruders sah! Zorn und Empörung breiteten sich in seiner stolzen Soldatenbrust aus.

 

An dieser Stelle möchte ich eine kurze Bemerkung über die Puranas anführen: wie ich schon einmal an anderer Stelle erwähnt habe, handelt es sich bei den puranischen Geschichten um inspirierende Volksweisheiten, in denen die mächtigen Götter mit menschlichen Schwächen erscheinen und in aussichtslose Situationen geraten, die dann exemplarisch und für die Leser oder Hörer dieser Geschichten auf verständliche und einfache Art und Weise gelöst werden. Die Geschichten sollen das Gute im Menschen - durchaus auch auf humorvolle Art und Weise - stärken und den Menschen Mut und Trost verleihen.

Doch nun zurück zu unserer Geschichte.

Alle Umstehenden versuchten Subramaniam zu beruhigen, doch weder Erklärungen noch sanfte Worte konnten seinen verletzten Stolz beschwichtigen. Hier präsentiert sich ein weiterer gordischer Knoten, dessen Durchtrennung nur durch Muruga's Selbsterkenntnis gelöst werden konnte. Lord Muruga musste eine Niederlage einstecken. Dies löste in ihm einen derartigen Tumult aus, daß er sich von allem Weltlichen abwandte und sich auf dem Gipfel eines Berges in tiefe Meditation begab. Dieser Ort, wo Lord Subramaniam alles aufgab und zum jungen Mönch - frei von Pomp, Prunk, Pracht und Stolz - wurde, ist heute einer der berühmtesten Tempel in Tamil Nadu mit dem Namen Palani. Palani ist ein Tempel der Entsagung. Bogar, einer der achtzehn Siddhas Tamil Nadus, erschuf die Statue Lord Subramaniams für diesen Tempel aus einem Amalgam, das er kraft seines alchemistischen Wissens aus neun giftigen Substanzen in ein Heilmittel umwandelte, das - so sagt man- alle Krankheiten heilen könne.

Das Hauptthema des Tempels ist die von Muruga vorgelebte Entsagung und Umwandlung, Katharsis und Metamorphose.

 

Beim Lesen dieser umfassenden Geschichte, die beide Brüder im Hause Shiva-Shakthi (Lord Shiva und sein Gemahlin Parvathi) involviert, frage ich mich immer wieder, ob Narada bereits im Vorhinein wusste, dass beiden Brüdern die Weisheit zuteil werden würde, dem einen durch den Erhalt und dem anderen durch die Entsagung desselben Objektes!

Obdachlosigkeit und Armut

Der Aum Pranava Ashram unterstützt 45 Menschen, Frauen und Männer, mit bescheidenen monatlichen Geldbeiträgen in unterschiedlicher Höhe (abhängig von der jeweiligen Lebenssituation des Empfängers oder der Empfängerin). Geistige Beeinträchtigungen, Invalidität, Amnesie und andere Krankheiten sind die häufigsten Gründe für die extreme Armut, in der sie leben. Ein Großteil von ihnen ist obdachlos. Auf der Straße lebende Menschen sind entweder sehr unabhängigkeitsliebend - so wie Bettelmönche - oder sie gehören zu jener relativ großen Gruppe der geistig verwirrten Menschen, die ohne jegliche Zuflucht auf der Straße leben und wandern. Ihre Verhaltensweisen, die in vielen Fällen einen gequälten Geist erkennen lassen, stehen einer Integration und Rehabilitation oft im Weg. 

Eine weitere Gruppe der Aum Pranava-Unterstützten besteht aus alleinstehenden Frauen und Müttern, die zwar durch kleinere Hilfsjobs versuchen, sich über Wasser zu halten, es aber trotzdem nicht schaffen, sich selbst und ihre Kinder zu ernähren und ihnen ein sicheres Leben zu gewähren. Sie sind auf die Hilfe von mehreren unterstützungswilligen Mitmenschen angewiesen.

Zu Beginn eines jeden neuen Monats kommen jene Menschen in den Ashram um eine gute Mahlzeit zu essen und den monatlichen Zuschuss abzuholen. Die Beträge sind nicht weltbewegend, aber sie können sich damit für ein bis zwei Wochen ausreichend versorgen. 

Kurzfassung der Geschichte einer Rehabilitation

Der auf dem Foto rechts so tief konzentriert schreibende Mann ist ca. 60 bis 65  Jahre alt und heißt Kumar Chettiyar. Im Ashram nennen ihn alle Chettiyar Thaatha (Thaatha ist Tamil für Opa). Er lebt seit ungefähr drei Jahren bei uns im Ashram und hat davor viele Jahre unter offenem Himmel auf der Straße verbracht. Er fiel Visvanathan, der auch ein großes Herz für die Menschen auf der Straße hat, im Laufe seiner Ausflüge auf seinem Moped durch die Straßen der umliegenden Dörfer und Städte von Tenkasi und Sengottai immer wieder durch seine stichhaltigen Kommentare auf. Chettiyar Thaatha hat sich schon vor langer Zeit von unserer Realität verabschiedet und lebt geistig in seiner eigenen Welt. Seine Kommentare über die Ereignisse, die um ihn herum stattfinden, sind jedoch des öfteren absolut korrekt und nehmen Bezug auf Dinge, die jenseits der scheinbaren Welt in diesem Moment passieren oder gedacht werden. Und so treffen sich unsere Welten doch jeden Tag.

Aufgrund von Chettiyar Thaatha's anfänglichen, unkontrollierbaren Wutausbrüchen und geistigen Verwirrungen, die wir den Kindern im Ashram nicht zumuten konnten, war an eine Aufnahme im Ashram nicht zu denken. Eines Tages stand er vor den Toren des Ashrams und lud sich sozusagen selber ein. Zuerst verbrachte er die meiste Zeit weiterhin auf der Staße und verbrachte nur die Nächte im Ashram. Er musste sich erst an die Mitbewohner im Ashram gewöhnen, was sich als relativ schwierig und langwierig gestaltete. Zu dieser Zeit des Eingewöhnens fanden wir heraus, dass Chettiyar Thaatha ein "Schreiber" war. Er schrieb sich des öfteren seine Wut von der Leber und wir dachten, dass ihm diese Schreibmethode vielleicht helfen könnte, sich schneller zu beruhigen. Wann immer er besonders aufgebracht war, wurde ihm Papier und Stift überreicht woraufhin er sogleich begann, seine Gedanken "niederzuschreiben". Thaatha schreibt in seine eigenen "Buchstaben". Niemand kann es lesen und seine Werke gleichen mehr den Doodles oder Nummern, die man oft während eines Telefongespräches auf ein Stück Papier kritzelt. Er ist beim Schreiben sehr konzentriert und kommentiert das Geschriebene oft laut vor sich hin - vielleicht weil er doch verstanden werden will? Wenn er drei bis vier Papiere oder auch mehr vollgeschrieben hat (es passiert nicht selten dass er in einer "Sitzung" einen Kugelschreiber leer schreibt), überreicht er uns die Papiere so als wäre seine Büro-Arbeit jetzt zu Ende. Wir nehmen seine geleistete Arbeit ernst und so verdient er jeden Tag einen kleinen Geldbetrag, den er meistens für Snacks und Tee ausgibt. 

Seine Transformation vom wütenden Strassenbettler zum Ashram Mitbewohner ist bemerkenswert. Das Foto rechts außen erinnert uns mehr an seines früheres, explosives Wesen (die Blume wurde ihm von den Mitarbeiterinnen im Büro hinters Ohr gesteckt), wohingegen der freundliche und kommunikative Blick auf dem inneren Foto links mehr seinen gegenwärtigen, friedlicheren Wesenszustand zum Ausdruck bringt. Dazwischen liegen eineinhalb Jahre.

Durch einen Zufall konnten wir vor etwas mehr als einem Jahr Chettiyar Thaatha’s Frau ausfindig machen (auf dem Foto rechts oben abgebildet), die als Haushaltshilfe mit einer Familie im nahen Tenkasi lebt. Sie besucht Thaatha ab und zu für ein paar Tage im Ashram, hilft bei den Küchenarbeiten mit und kehrt wieder zu ihren Arbeitgebern zurück. 

Thaatha ist und bleibt ein Einzelgänger und solange er friedlich mit uns im Ashram leben möchte, kann er dies auch sehr gerne tun. 

Das Leben auf der Straße

Die Frau in roter Farbe auf dem Foto rechts lebt auch seit vielen Jahren auf der Straße. Niemand kennt ihren Namen, sie will mit niemandem sprechen. Vor mehr als zehn Jahren hat sie ihr Lager unter einem Baum gegenüber eines Fünf-Stern-Hotels in Courtallam aufgeschlagen. Eines Tages wurde der Baum umgeschnitten, woraufhin sie in einer Nacht und Nebel Aktion auf die gegenüberliegende Seite der Straße unter einen anderen Baum in unmittelbarer Nähe der Haupteinfahrt des Hotels umzog. Auch dieser Baum fiel sehr bald der anonymen Holzsäge anheim. Doch alle Umsiedlungsaktionen mit dem Ziel, sie aus dem Gesichtsfeld der Hotel Besucher zu bewegen, blieben erfolglos.

Visvanathan, der - wie ich schon erwähnte - ein sehr großes Herz für die auf der Straße lebenden Menschen hat, versorgte sie für ein Jahr lang tagtäglich mit Essen und sauberem Trinkwasser aus dem Ashram. Er war der einzige Mensch, der ihr Vertrauen gewinnen konnte und mit dem sie ein paar Minuten sprach.

Eine Handvoll von Mitmenschen, die Visvanathan's Bemühungen um ihre Gesundheit und praktische Verbesserungen ihrer Lebensumstände beobachteten, nahmen sich dies zu Herzen und nahmen mit ihm Kontakt auf, um ihn bezüglich der Hilfsmaßnahmen um Rat zu bitten. Als Dach über ihrem Kopf hat man ihr einen großen Schirm aufgestellt und mit Plastikplanen bedeckt, um sie vor Regen und Hitze zu schützen. 

Freundlichkeit ist nicht gerade ihre Stärke. Sie meidet den Umgang mit Menschen und verscheucht alle die in ihre Nähe kommen. Obwohl sie ein paar indische Sprachen spricht, bleibt ihr Ausdruck verschlüsselt und sehr limitiert. Sie lehnt nach wie vor Hilfe und Gespräche kategorisch ab. 

Ein Beispiel eines von Thaatha’s dicht “beschriebenen” A4 Blatt Papiers. 

Dieses Foto habe ich vor mehr als einem Jahr aufgenommen, als es aufgrund der Bauarbeiten am Hotel noch keinen Schirm für "Courtallam Paati" gab (“Paati" ist das Tamil Wort für Oma)
Dieses Foto habe ich vor mehr als einem Jahr aufgenommen, als es aufgrund der Bauarbeiten am Hotel noch keinen Schirm für "Courtallam Paati" gab (“Paati" ist das Tamil Wort für Oma)

Timeline

Weihnachten (24.12.2018)

Zur Auffrischung an eine weihnachtliche Erinnerung habe ich das von den Kindern so schön auf deutsch gesungene Weihnachtslied hier noch einmal aufgeladen. 

Den Kindern hat es großen Spaß gemacht. Als deutsche Muttersprachlerin muss ich sagen, dass die Aussprache der Kinder einwandfrei ist und man sie gut versteht. Hut ab! 


puttaparthi (25.-31.12.2018)

Die Fotos von der Bildgalerie links stammen von unserer Reise mit den Kindern nach Puttaparthi im Dezember 2018. Puttaparthi ist  Heim für einen der größten Ashrams in Indien und liegt drei Stunden von der Metropole Bangalore entfernt.

Die erste Reise dieser Art fand im Juni 2006 statt. Seitdem konnten wir dank gezielter Unterstützung für kulturelle und spirituelle Reisen alljährlich nicht nur Puttaparthi, sondern auch andere bedeutende Orte von wie Tiruvannamalai, Lepakshi, Trichy oder Palani etc. besuchen, was unserer Meinung nach für die Kinder sehr wichtig ist. Es gibt unzählige Orte, die wir mit den Kindern noch besuchen möchten :) 

Wir organisieren auch Ausflüge für die Kinder und Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen in der näheren Umgebung. Reisen ist aufregend, lustig, lehrreich und abwechslungsreich und genau das Richtige, um den etwas 'grauzonenhaften' Schulalltag aufzuhellen!  

 


pongal season, 15.-18.01.2019

Der heurige "Winter" (der eigentlich wie ein Frühling aussieht) war für uns vom indischen Wettergott (Varuna) Verwöhnten außergewöhnlich kühl. Das Thermometer fiel unter die 20 Grad Grenze, eine tiefe Temperatur, die wir hier im subtropischen Klima Südindiens schon seit vielen Jahren nicht zu spüren bekamen. Jacken, Sweater, Hauben, Pullover, etc. wurden von ganz tief untern aus der Kleiderkiste hervorgeholt, um uns bei den morgendlichen Yoga Stunden (mit den Kindern) warm zu halten.

Zu Pongal feiern wir das Ende der sechs "dunkleren" Monate (hier in der Nähe des Südzipfels Indiens handelt es sich um etwas länger als eine Stunde, die es früher dunkel wird). Wir sind der Tag- und Nachtgleiche sehr nah, die Sonne geht täglich um ca. 6 Uhr auf und verlässt uns im Dezember gegen 6 Uhr abends. Der längste Tag ist der 21. Juni, wo die Sonne um ca. 7 Uhr abends unter geht. 

"pongal spiele"

Die "Pongal Spiele" sind zur Tradition geworden: bevor die Festivitäten zu Pongal am Vorabend von "Surya Pongal" eingeleitet werden, veranstalten wir zwei Tage lang Wettbewerbe für die Kinder in den Bereichen Kreativität, Sport und Quiz.

Es macht den Kindern riesigen Spaß und ich hoffe, dass dies in den folgenden Fotos und Videos auch deutlich sichtbar ist. 

Das letzte Video links unten ist die Aufnahme eines Bharathanatyam Tanzes einer Besucherin, die einige wunderschöne Tänze aufgeführt hat. Ich habe sie alle auf unserem Youtube Channel (Aum Pranava Ashram) aufgeladen, wo sie gesehen werden können. 

Die Pongal Spiele im Aum Pranava Ashram haben eine langjährige Tradition von Wettbewerben für die Kinder in den Bereichen Kreativität, Sport und Quiz. Das Bild oben zeigt Indhuja, 14 Jahre, beim Rangoli Wettbewerb. Unten weitere Rangoli Meisterwerke.
Die Pongal Spiele im Aum Pranava Ashram haben eine langjährige Tradition von Wettbewerben für die Kinder in den Bereichen Kreativität, Sport und Quiz. Das Bild oben zeigt Indhuja, 14 Jahre, beim Rangoli Wettbewerb. Unten weitere Rangoli Meisterwerke.


tag der republik Indien (26.01.2019)

Wie jedes Jahr gab es auch heuer wunderschöne und berührende Momente in den Programmen, die zum Republikstag zusammengestellt wurden. Weitere Fotos können in der Galerie gesehen werden. 

and the winners are...

Wie jedes Jahr veranstalten auch die Schulen Sportwettbewerbe und verleihen Preise für Lernerfolge. Heuer haben Sornalakshmi aus der XII. Klasse und Velmurugan aus der VI. Klasse Preise gewonnen. Die dritte im Bunde auf dem Bild unten ist Dhanshika, die den ersten Preis für ihre Lernerfolge im Upper Kindergarden gewonnen hat. Sornalakshmi hat beachtenswerterweise in ihrer Schule (mit mehr als 4000 Schüler und Schülerinnen eine relativ große Schule für südindische Verhältnisse) die Meisterschaft in den Disziplinen Kugelstoßen und 1500m Lauf gewonnen. Wir gratulieren den Gewinnerinnen und Gewinnern für ihre beachtlichen Leistungen! 

Auf dem Bild von links sind Heidemarie Fricke aus Deutschland, Velmurugan aus der VI. Klasse, Dhanshika aus dem "Upper Kindergarden" und Sornalakshmi aus der zwölften und letzten Schuklasse, sozusagen Maturaklasse, zu sehen. 

Heide ist eine pensionierte Montessori Lehrerin, die schon seit einigen Jahren zu uns kommt, für ein paar Monate zu Gast bleibt und einer ausgewählten, kleinen Gruppe von Kindern beim Lernen hilft. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung kann Heide den Kindern tatsächlich Türen und Tore zum besseren Verständnis des Gelernten verleihen. 

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar andere Freunde und Freundinnen nennen, die schon seit einigen Jahren ein oder zwei Mal im Jahr einen Monat lang bei uns bleiben und den Kindern beim Lernen helfen. Katharina Reiter, eine Berufsschullehrerin aus Wien, und Marie Beaney, eine Yogalehrerin aus England, sowie Mark aus Deutschland helfen den Kindern nicht nur beim Lernen sondern auch bei Yoga und in anderen Bereichen der Kreativität oder des Spiels. 

Diese Menschen sind uns eine große Stütze und Hilfe. Durch ihre regelmäßigen Besuche konnten sie zu den Kindern eine besondere Beziehung aufbauen, die für die Vertrauensbasis zum Lernen und Wachsen so wichtig ist.

An dieser Stelle dürfen wir diesen außergewöhnlichen Menschen, mit denen wir in tiefer Freundschaft verbunden sind, danken!

Wir haben immer Platz für Menschen, die ihre Zeit nützlich verbringen wollen und gerne mit Kindern "arbeiten" und wir würden uns auf Zuwachs in diesem Freundschaftszirkel sehr freuen! 

die diesjährigen prüflinge und schulabgänger

Im Jahr 2018 absolvierten 15.5 Millionenen Kinder in ganz Indien die XII. Klasse. Die X. Klasse wurde von 19.9. Millionen Kindern abgeschlossen.

In Tamil Nadu alleine sind heuer im März 900.000 Mädchen und Buben für die Matura angetreten (so würde man den Abschluss für die XII. Klasse in Österreich nennen). Die XI. Klasse wurde von 860,000 Kandidaten und Kanditatinnen absolviert. Die X. Klasse wurde von mehr als 1 Million Kinder in Tamil Nadu alleine absolviert.

Die einheitlichen Prüfungsbögen werden in ganz Indien zur selben Zeit ausgeteilt. 

In der XII. Klasse haben wir heuer zwei Schulabsolventinnen, Saroja und Sornalakshmi (unten links). Saroja, deren Schwerpunkte in der XI. und XII. Klasse Mathematik und Biologie waren, würde gerne Pharmazie studieren. Sornalakshmi interessiert sich für Management. Sie haben sich hohe Latten gesetzt und wir halten ihnen allen ganz fest die Daumen, dass die Resultate, die im Mai bekannt gegeben werden, als die so notwendige Antriebskraft für ihren weiteren Ausbildungsweg dienen.

Links nach rechts: Saroja und Sornalakshmi, XII. Klasse.
Links nach rechts: Saroja und Sornalakshmi, XII. Klasse.
Sneha und Kausalya, XI. Klasse. Die beiden sind keine Schulabgänger, sondern lernen noch ein weiteres Jahr bis zur Matura.
Sneha und Kausalya, XI. Klasse. Die beiden sind keine Schulabgänger, sondern lernen noch ein weiteres Jahr bis zur Matura.
Sabarinathan, X. Klasse Absolvent. Er möchte auf eine dreijährige polytechnische Ausbildung umsatteln.
Sabarinathan, X. Klasse Absolvent. Er möchte auf eine dreijährige polytechnische Ausbildung umsatteln.

Vorschau

  • Die Sommerferien beginnen heuer sehr früh, da im April die Wahlen zum indischen Nationalrat stattfinden. Indien beheimatet zurzeit 1.4 Milliarden Menschen und gehört somit zu den größten demokratischen Ländern dieser Erde. Die Wahlen werden über einen ganzen Monat in den verschiedenen Bundesstaaten abgehalten. Wir hoffen auf friedliche und ehrliche Wahlen und ein effizientes Regierungsteam!  
  • Unser nächster Newsletter wird aller Voraussicht nach im Juli erscheinen und sich dem Thema ASHRAM widmen. In diesem Kontext werde ich auch den Begriff und die geistige Haltung des Sanathana Dharmas beschreiben. Für beide Themen werde ich wohl tief recherchieren müssen, denn ich beabsichtige, sie so neutral und faktenreich wie möglich zu gestalten.
  • Von den neuen Entwicklungen und Ereignissen im Aum Pranava Ashram werden wir in der Timeline berichten.

Wir freuen uns auf Reaktionen und danken allen Freunden und Freundinnen für das fortwährende Interesse und die liebevolle Unterstützung!

Ein gesegnetes und frohes Osterfest von uns allen aus dem lebhaften AUM Pranava Ashram!

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Comments: 1
  • #1

    Daniela (Friday, 05 April 2019 04:00)

    so ein berührender Text, der Einblick schenkt in die Kultur und in eure Arbeit. Danke.

    Herzensgrüße aus Tirol, Daniela